RE: 13.12.2014 Fraport Skyliners Juniors vs EN-Baskets Schwelm

#16 von Flatliner-Joe , 15.12.2014 22:13

@The Voice : Da zieh ich mich lieber an der Erinnerung an den 12.02.2005 hoch, wo die Baskets in einem denkwürdigen BBL-Spiel gegen Alba erst in der
Verlängerung unglücklich verloren haben...
Zur aktuellen Diskussion:
Wer ist denn eigentlich verantwortlich dafür einer Mannschaft eine Corporate Identity zu verpassen bzw. einen Teamgeist einzuhauchen?
Doch wohl nur die, die nahezu tagtäglich Kontakt mit den Spielern haben!
Mangels spielerischer Klasse kann diese Mannschaft halt nur über Kampf und Teamgeist zum Erfolg kommen. Was ich da an Desinteresse ,völliger Lustlosigkeit und null Körperspannung speziell beim Warmmachen vor der 2.Halbzeit gesehen habe, war eine absolute Frechheit!
Wer ist denn eigentlich verantwortlich dafür, eine Mannschaft auch mental zu erreichen und ihr ggf. "den Kopf zu waschen"?


g1p1-Antwine.html

 
Flatliner-Joe
Beiträge: 510
Punkte: 803
Registriert am: 12.08.2014


RE: 13.12.2014 Fraport Skyliners Juniors vs EN-Baskets Schwelm

#17 von paulding , 16.12.2014 08:47

@Flatliner-Joe:
Auch zu diesem Thema habe ich - natürlich ;-) - eine ganz eigenee Meinung, die vermutlich nicht der Mehrheitsmeinung entspricht. Und diese Meinung habe ich bereits länger, aus eigener Erfahrung, unabhängig davon, was gerade bei den EN - Baskets läuft:

Wenn - vor allem im Profibereich - eine Mannschaft oder einzelne Spieler jemanden brauchen, der sie motivieren muss, auf dem Spielfeld alles zu geben, dann sollten diese Spieler lieber aufhören mit leistungsorientiertem Sport. Wenn ein Spieler sich nicht bewußt ist, in welch priviligierter Position er sich befindet, wenn er ignoriert, dass es Sponsoren gibt, die ihm das Ganze finanzieren, wenn er sich nicht im klaren darüber ist, dass es Fans gibt, die mit dem Team leiden und jubeln, dann hilft eine Motivationsansprache des Trainers auch nicht mehr.
Natürlich sollte der Trainer insgesamt unterstützend wirken. Aber die Grundeinstellung muss beim Spieler vorhanden sein. Die Motivation eines Spielers ist in der Regel am stärksten ausgeprägt, wenn er Erfolgserlebnisse verbuchen kann. Ist wie im "wirklichen Leben". Wenn alles gut läuft auf der Arbeit und die gesteckten Ziele erreicht werden, dann fällt es weit weniger schwer, morgens aufzustehen und ins Büro zu gehen, als wenn man merkt, dass man nicht vorwärts kommt. Das ist sicher dann auch der Bereich, wo der Trainer versuchen muss, motivierend einzugreifen: erreichbare Ziele setzen, für Erfolgserlebnisse im Training sorgen, Wege aufzeigen.
Das Verhalten eines Trainers während eines Spiels hat nur bedingt Einfluss auf die Motivation. Wenn Spieler nicht bereit für ein Spiel sind, dann werden sie auch nicht motivierter, wenn man sie während des Spiels anschreit oder über den Kopf streichelt. Die Basis für Vorfreude und Begeisterung für einen Wettkampf werden im Training gelegt. Daher ist immer doppelt schwierig, am Wochenende eine gute Leistung zu bringen, wenn die Trainingswoche von Ausfällen / Verletzungen / Krankheiten gekennzeichnet ist. Nicht nur, dass dann gewisse Automatismen nicht einstudiert werden können - das Training ist dann einfach auch vom Spannungsaufbau nicht zielführend hin zum Match - und es macht nicht wirklich Freude.
Wenn in der Trainingswoche zwei Center fehlen, dann kann man Spielsituationen nicht simulieren und kann auch nicht erkennen, welcher Weg zum Erfolg führt. Theoretisch natürlich schon - aber praktisch nicht. Wie gesagt: das Maximale an positiver Motivation kann nur durch positives Training herausgekitzelt werden. Wie oft habe ich vor Spielen von Spielern den Satz gehört: "Wir müssen heute so spielen, wie am Donnerstag im Training. Das hat super funktioniert." Wenn dann aber am Donnerstag nur fünf gesunde und zwei kranke Spieler in der Halle waren, fällt dieser Aspekt weg. Dann ist es - wie oben bereits beschrieben - vor allem jeder einzelne Spieler selbst, der eine hohe Eigenmotivation entwickeln muss. Wenn die nicht kommt, dann machste als Trainer ziemlich wenig. Der Einfluß des Trainers wird an dieser Stelle von vielen Menschen völlig überschätzt.
Ich bin seit über 20 Jahren Trainer. Eine von mir betreute Mannschaft hat noch NIE gewonnen, weil ich so eine tolle Kabinenansprache gehalten habe. Die Niederlagen sind auch nicht auf eine schlechte Ansprache zurückzuführen. 90 % der Siege sind darauf zurückzuführen, dass man sich im Vorfeld gemeinsam eine gute und erfolgsversprechende Strategie erarbeit hat und die Mannschaft von sich aus heiß darauf ist, diese erfolgreich umzusetzen. Und den guten "Charakter" meiner Mannschaften habe ich auch nicht geprägt. Entweder hatten die Spieler diesen, oder sie hatten ihn nicht.
Ich gehöre zu den Menschen, die bei Trainerwechseln im Profisport immer als erstes denken, dass sich durch diese Maßnahme in erster Linie die beteilgten Spieler selber bloßgestellt haben. Es wird mir generell zu schnell auf Trainern rumgehackt. Es ist in meinen Augen falsch, den Trainern vorschnell die Verantwortung für das Verhalten der Spieler auf dem Feld zu übertragen. Schließlich sind das alles erwachsene Menschen und sie sind in erster Linie selbst für ihr Verhalten verantwortlich.
Bedauerlicherweise kann man vor einer Saison nicht in die Köpfe der Spieler hineinschauen. Manche Verhaltensmuster kristallisieren sich erst im Verlauf einer Saison heraus. Dann muss man ggf. vor der nächsten Saison reagieren.

Nichts desto trotz sollte sich jeder Trainer natürlich stets selbst hinterfragen, ob er im Umgang mit der Mannschaft, in den Spielen und im Training die richtigen Dinge getan hat. Aus dieser Verantwortung wird er nie entlassen - genau so, wie jeder Spieler auch.

Also deine Frage "Wer ist eigentlich dafür verantwortlich, eine Mannschaft auch mental zu erreichen?" mit den Worten "Der Trainer!" zu beantworten, das ist mir definitiv zu oberflächlich. Ich kenne Herrn Morzuch nicht, ich bin nie beim Training, ich habe nur ca. die Hälfte aller Spiele gesehen. Damit geht es mir vermutlich so, wie den meisten hier. Und aus diesem Wissenstand heraus kann ich nicht guten Gewissens den Trainer kritisieren.

paulding  
paulding
Beiträge: 63
Punkte: 68
Registriert am: 06.10.2014


RE: 13.12.2014 Fraport Skyliners Juniors vs EN-Baskets Schwelm

#18 von Flatliner-Joe , 17.12.2014 00:36

@paulding: Danke für Deinen echt informativen und aufschlußreichen Beitrag, habe als Laie einiges über die "Randsportart" Basketball dazugelernt! Respekt!

Als langjähriger Trainer der beliebtesten Ballsportart in Deutschland habe ich, im Amateur-Jugendbereich, einige andere Erfahrungen gesammelt. Ob die Trainingseinheiten unter der Woche gut oder chaotisch verliefen, entscheidend war m.E. immer der Spieltag mit ritualisiertem Ablauf: Einzelgespräche mit jedem Spieler in der Kabine, Einschwören der Mannschaft auch und gerade vor sportlich schier unlösbaren Aufgaben, standartisiertes Warm-Up auf dem Platz unter Leitung des Co-Trainers, Non-Stop Präsenz des Trainers sowohl optisch als auch positiv akustisch während des Spiels an der Seitenlinie usw.usw. Zu jedem Zeitpunkt eines Spiels war die positive Interaktion zwischen Trainerteam und Mannschaft für jeden Zuschauer zu erkennen! Und genau das fehlt mir z.Zt. bei den Baskets. Was in der Kabine abgeht bleibt uns allen verborgen, was in der Halle abläuft können jahrzehntelange Beobachter wie TheVoice, SB-4ever,meine Person, als auch die Fans, die mich in der Schwelmer Fuzzo spontan ansprechen sehr wohl differenziert wahrnehmen: Hier tritt z.Zt. kein Team in der Halle West auf, impulslose Trainerbank eingeschlossen!
Das ist, was vielen Basketsfans im Augenblick Sorgen bereitet, nicht das sportliche Desaster in Frankfurt, sondern die Art+Weise der Baskets-Darstellung.
Natürlich haben Interna aus Training und Kabine, wie Benny Rusts legendäres blaues Auge zu BBL Zeiten oder Max Kramers 14-tägige Nichtberücksichtigung im letzten Jahr nichts in der Öffentlichkeit zu suchen, in deren Wahrnehmung sollte der gemeine Fan aber nicht vom Verein unterschätzt werden.

Mit mitternächtlichem Gruß und bis Samstag!


g1p1-Antwine.html

 
Flatliner-Joe
Beiträge: 510
Punkte: 803
Registriert am: 12.08.2014

zuletzt bearbeitet 17.12.2014 | Top

RE: 13.12.2014 Fraport Skyliners Juniors vs EN-Baskets Schwelm

#19 von paulding , 17.12.2014 08:47

Kann ich absolut nachvollziehen, was du schreibst. Denke aber, dass man Fußball und Basketball zwar in manchen Bereichen sehr gut vergleichen kann, in anderen Bereichen aber nicht. Das liegt u. a. an der Anzahl der Spieler auf dem Feld und der Größe des Spielfelds. Im Fußball ist die schlechte Leistung / Vorbereitung eines einzelnen Spielers durch die Mannschaft besser zu kompensieren und wirkt sich nicht so unmittelbar und direkt auf das Ergebnis aus. Ist beim Basketball ein Spieler neben der Spur, so sind dies direkt 20 % des Teams - und der Gegenspieler erzielt unmittelbar Punkte. Im Basketball sind stets ALLE Spieler in der Verteidigung vor dem eigenen Korb und im Angriff auch ALLE so positioniert, dass sie sich die Möglichkeit zum scoren erarbeiten können. Der Ablauf des Spiels ist da schon ein wenig anders (was nicht heißen soll, dass Fußball eine leicht zu erlernende Sportart ist - zumindest nicht, wenn man hochklassig spielen will). Zudem sind im Basketball die Reaktionszeiten wesentlich kürzer, die Aktionen in Korbnähe folgen einander viel schneller, der Zeitdruck ist immens (stell dir vor, du hättest im Fußball eine Zeitvorgabe, in der du aufs Tor geschossen haben müsstest - es würde ein ganz anderes Spiel werden...).
Was du zum Thema Rituale, Präsenz des Trainers usw. schreibst - das ist sicher im Basketball sehr ähnlich. Aber das macht vielleicht nur noch ein paar Prozentpünktchen aus (die natürlich auch mal entscheidend sein können, aber eine 60 - 100 Niederlage nicht erklären).
Deine Aussage, dass die Mannschaft der EN Baskets kein echtes Team ist, finde ich schon sehr hart. Mehrere User haben ja bereits festgestellt, dass es in dieser Mannschaft nicht wirklich viele überragende Einzelkönner gibt. Gleichzeitig haben die EN Baskets aber eine 7 - 5 Bilanz und bislang auch erst ein Heimspiel verloren. Ich glaube nicht, dass das gelingen kann, wenn so gar nichts innerhalb der Mannschaft stimmt. Im Hinspiel gegen Frankfurt hat man nach sehr dünner erster Halbzeit im zweiten Durchgang ein Gesicht gezeigt. Kein schönes Spiel, aber doch zu erkennen, dass alle dran gezogen haben. Und auch in anderen Spielen fand ich durchaus, dass man sich geschlossen präsentiert hat. Okay, jetzt in Frankfurt - das sah wirklich doof aus. Aber daraus jetzt bereits generell zu urteilen, dass dieses keine Mannschaft sei, finde ich mindestens verfrüht. Wer weiß? Vielleicht sehen wir am Samstag wieder ein ganz anderes Gesicht? Ich zumindest warte da gerne noch etwas ab mit meinem Gesamturteil. Die Zahlen (Bilanz / Tabellenplatz) sind ja bis jetzt noch durchaus okay. Mit mehr habe ICH vor der Saison nicht gerechnet.


paulding  
paulding
Beiträge: 63
Punkte: 68
Registriert am: 06.10.2014

zuletzt bearbeitet 17.12.2014 | Top

RE: 13.12.2014 Fraport Skyliners Juniors vs EN-Baskets Schwelm

#20 von Flatliner-Joe , 18.12.2014 01:12

@paulding: Ein wirklich gut funktionierends Team (Mannschaft+Trainer) versucht auch in der sportlichen Katastrophe erhobenen Hauptes vom Platz gehen zu können, sprich reißt sich auch bei aussichtslosem Spielstand den A....auf und hält irgendwie dagegen! Und genau das ist in Frankfurt nicht passiert! Aus dieser Haltung Rückschlüsse auf den Charakter der Mannschaft zu ziehen halte ich für absolut legitim. Zumal es sich um ein bisher einmaliges Geschehen in der langjährigen ProB-Geschichte der Baskets handelt. Das die Mannschaft auswärts ohne Fanunterstützung "fremdelt" , beweißt um so mehr, wie ungefestigt sie ist!

O.K., wenn das Desaster in Frankfurt an mangelnder Unterstützung gelegen hat, dann gilts am Samstag in eigener Halle richtig "Feuer unterm Dach" zu machen! Ich bin jedenfalls dabei, werde schon zur Halbzeit völlig nassgeschwitzt sein, werde wie eigentlich fast immer ständig von Blocknachbarn zum Sitzenbleiben aufgefordert werden, werde noch am Montag in der Firma wegen meiner "geilen" Stimmlage nach meinem Alkoholkonsum am Wochenende gefragt werden - und werde mir wie immer die Freiheit nehmen das Auftreten der Baskets auch emotional zu bewerten. Und da geht es zum Glück nicht um Stats ohne Ende und wieviel Punkte müssten 2 Amerikaner eigentlich pro Spiel machen, sondern um das gesamte Auftreten der Mannschaft incl. Trainer. Bei Wiederholung der absolut nur peinlichen Frankfurt-Posse möchte ich mir die Stimmung in der Halle West nicht wirklich vorstellen!


g1p1-Antwine.html

 
Flatliner-Joe
Beiträge: 510
Punkte: 803
Registriert am: 12.08.2014


   

20.12.2014 - EN-Baskets Schwelm - vs Dragons Rhöndorf
29.11.14 EN-Baskets vs Fraport Skyliners Juniors

Xobor Ein eigenes Forum erstellen